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Hospitationen

Hospitationen „Kennen lernen, heißt verstehen“

Hospitationen VW

„Kennen lernen, heißt verstehen“ – das ist das Motto von Hospitationen, also dem gegenseitigen Kennenlernen von Betrieben und Verwaltungen, die zu einem besseren Verständnis zwischen Behörden und Wirtschaft führen sollen. Kooperative Zusammenarbeit ist immer erst dann wirklich möglich, wenn jeder die Arbeitsinhalte, Arbeitsweisen und Handlungsspielräume des jeweils anderen kennt.

 

Aus dieser Kenntnis erwächst Verständnis – und dadurch wird die Basis geschaffen für eine wirkungsvolle, nachhaltige Kommunikation. Die Umweltallianz Hessen unterstützt „Kennenlern-Tage“ oder “-Wochen“ in Verwaltung oder Betrieben und ist bei der Vermittlung behilflich.

Hospitationsberichte:


Umweltallianz Hessen ermöglicht Hospitation von Mitarbeiterin der Volkswagen AG, Werk Kassel im Regierungspräsidium Kassel
Im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit haben die Volkswagen AG, Werk Kassel und das Regierungspräsidium Kassel die Möglichkeit für gegenseitige Hospitationen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verabredet. Damit soll ein weiterer Schritt für die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Verwaltung unter dem Motto „Kooperation statt Konfrontation“ getan werden. Von Nutzen ist hier die schlanke Struktur der Umweltallianz Hessen, die eine solche Verabredung zwischen beteiligten Partnern unterstützt.


Erste Hospitantin war Frau Jennifer Buchkremer von der Volkswagen AG, Werk Kassel. In der Zeit vom 03. November 2008 bis zum 05. Dezember 2008 war Frau Buchkremer an 14 gemeinsam verabredeten Tagen in den Dezernaten Abfallwirtschaft und Immissions- und Strahlenschutz der Abteilung Umwelt- und Arbeitsschutz des Regierungspräsidiums Kassel. Hier sollte die Denk- und Arbeitsweise aus Sicht einer Behörde hautnah erlebt werden. Die Basis hierfür boten flexibel gestaltete Hospitationszeiten. Mit der Teilnahme an speziellen Terminen zusammen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Regierungspräsidiums Kassel konnte der Hospitantin damit die Vielfalt eines Behördenalltags eröffnet werden. Zusätzlich wurden die besprochenen Themen flexibel an die gewünschten Schwerpunkte angepasst und boten daher die Möglichkeit soweit wie möglich individuelle Bedürfnisse und Anforderungen umzusetzen.


„Als neue Mitarbeiterin im Bereich Umweltschutz und Entsorgung der Volkswagen AG am Standort Baunatal wurde mir im Rahmen der Umweltallianz Hessen die Möglichkeit einer Hospitation im Regierungspräsidium Kassel gegeben. Meinem Vorgesetzten war eine Hospitation im Zuge der Einarbeitung in den Aufgabenbereich sehr wichtig, um die behördlichen Abläufe und Schnittstellen begreifen zu können. Von Seiten des Regierungspräsidiums wurde die Hospitation verwendet, um die behördlichen Arbeitsweise an die Industrieunternehmen heranzutragen und somit die Zusammenarbeit zu verbessern. Auf beiden Seiten wurde das Ziel verfolgt einen direkten und vertrauensvolleren Umgang miteinander zu etablieren“, so Frau Jennifer Buchkremer über die Hintergründe ihrer Hospitation.


Herr Helmar Pflock, Leiter der Organisationseinheit Umweltschutz und Entsorgung der Volkswagen AG, Werk Kassel und Gründungsmitglied der Umweltallianz Hessen, initiierte diese Hospitation mit der Absicht das Prinzip der kurzen Wege und offenen Kommunikation auch in Zusammenarbeit mit der Behörde entwickeln zu können. „Gemeinsam mit Herrn Klaus-Dieter Stichnoth vom Regierungspräsidium Kassel wollten wir die Chance nutzen eine neue Mitarbeiterin „über den Tellerrand hinaus blicken zu lassen“. Wie wir aus Erfahrung wissen, sind Optimierungspotenziale nicht nur in abgeschlossenen Prozessen, sondern besonders an den Schnittstellen aufzudecken. Kurze Wege und somit direkte Ansprechpartner sind heute ein unerlässliches Gut, um im wirtschaftlichen Wettbewerb bestehen zu können. Diese galt es auf die Zusammenarbeit zwischen der Volkswagen AG, Werk Kassel und dem zuständigen Regierungspräsidium Kassel zu transferieren.“ So beschrieb Herr Helmar Pflock seine Motivation.


Neben rein fachlichen Aspekten konnten vielseitige Einblicke behördlichen Handelns sowie eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kennen gelernt werden. Die Einbindung in Dezernatsbesprechungen, fachbezogenen Außendienstterminen oder zur konkreten Aufgabenbewältigung ermöglichten eine differenzierte Darstellung der behördlichen Arbeitsweise. Neben den Aufgaben zur allgemeinen Abfallwirtschaft und der damit verbundenen Aufsicht der Entsorgungsträger wurden auch übergeordnete Themen wie die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten behandelt. Die Überwachung nach Störfallverordnung, Umsetzung der Geruchs Immissions-Richtlinie (GIRL) oder auch der Wahrnehmung der Umweltallianz Hessen in der Behörde wurden zusätzlich thematisiert.


Die fachliche Einbindung in die behördlichen Vorgänge aber auch die Möglichkeit verschiedene Facetten des Behördenalltags zu erleben, stachen bei der Hospitation besonders hervor. Allgemeine und fachrichtungsspezifische Genehmigungsvorgänge wurden genauso detailliert behandelt wie die Abfallstoffstromüberwachung. Das Regierungspräsidium Kassel sieht hierin eine Chance durch Vermittlung der behördlichen Denk- und Arbeitsweise, der Hospitantin die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium zu erleichtern und verständlich zu vermitteln. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Möglichkeit der Hospitation beiden Seiten eine unbürokratische aber ungemein praktische Gelegenheit des gegenseitigen Kennenlernens eröffnet und das hieraus Synergien entstehen, die durch Wahrnehmung der betrieblichen Eigenverantwortung behördliche Anerkennung finden kann.

Umweltallianz Hessen praktizieren – nicht nur kommunizieren!
Die VhU zu Gast im Umweltministerium
Als Mitbegründerin der Umweltallianz Hessen und langjährige Mitglieder der Geschäftsstelle und des Koordinierungskreises der Umweltallianz Hessen wollten wir, Herr Dr. Lippold, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU) und Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Umweltpolitik und Frau Anne-Karin Walter, Referentin der VhU in der Abteilung Wirtschafts- und Umweltpolitik, das Thema Hospitanz mit Leben erfüllen.
Vom 01. März 2009 bis zum 31.08.2009 wurde mir von der VhU und dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Möglichkeit geboten, in der Abteilung II Abfallwirtschaft, Bergbau, Immissionsschutz im Referat Immissionsschutz-, Gentechnikrecht, Gentechnik mitzuarbeiten.


Ziel war es, das Motto der Umweltallianz Hessen „Kooperation statt Konfrontation“ mit Leben zu erfüllen und zu zeigen, dass Wirtschaft und Umweltschutz keine Gegensätze darstellen müssen. Zudem sollte hierdurch mehr Kolleginnen und Kollegen in den Ämtern und in den Unternehmen Mut gemacht werden, für einen abgesprochenen Zeitraum „die Seiten zu wechseln“.


In diesem für die Novellierung einer Verordnung eher kurzem Zeitraum, ist es mir gelungen, eine Verordnung auf den Weg durch das Kabinett zu bringen und dadurch fünf bestehende Verordnungen zu deregulieren: die Verordnung über immissionsschutzrechtliche Zuständigkeiten, zur Bestimmung der federführenden Behörde nach dem Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung und über Zuständigkeiten nach dem Benzinbleigesetz.
Dabei habe ich gelernt, mit welcher Präzision und Ausdauer ein Verordnungstext erarbeitet und mit den betroffenen Ressorts der Landesregierung abgestimmt sein will, bevor er überhaupt „Kabinettsreife“ erlangt! Die Arbeit, die hinter den Verordnungs- oder Gesetzesentwürfen steht, macht man sich als Außenstehender nicht klar.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung zwischen zu beteiligenden Referaten, Abteilungen und Ressorts ist für den Betrachter nicht immer leicht zu verstehen. Aber so lernt man das Gebot der Rechtmäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit unserer Rechtsnormen zu verstehen.

Auch künftig wird die VhU nicht damit sparen, Entwürfe von Rechtsnormen konstruktiv kritisch zu bewerten, wenn es die Sache erforderlich macht. Aber es wird mit mehr Verständnis für die zu Grunde liegende Arbeit geschehen.

Die gemeinsame Arbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der Fachreferate hat tiefe Einblicke in die behördlichen Strukturen und Abläufe gegeben, die für eine Verbandsmitarbeiterin ausgesprochen bereichernd und wertvoll waren. Durch die zahlreichen fachübergreifenden Diskussionen konnten evtl. vorhandene Vorurteile oder Missverständnisse abgebaut werden. Dies bedeutet nicht, dass man in Kungelei verfällt.

Umgekehrt sollte es auch Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung ermöglicht werden, diese Einblicke in die Unternehmens- oder Verbandstätigkeit zu erlangen. Dann wird man auch merken, dass einige Abläufe gar nicht so unterschiedlich sind.

Die Probleme, die wir derzeit zu bewältigen haben, können wir nur miteinander und nicht gegeneinander meistern. Dazu gehört auch, dass Unternehmen sich rechtmäßig verhalten und diese Grenzen nicht bis aufs Äußerste ausreizen und umgekehrt die Verwaltung den ihr möglichen Ermessensspielraum sinnvoll ausgestaltet. Hier in Hessen sind wir dabei auf einem sehr guten Weg, nicht zuletzt Dank der Umweltallianz Hessen. Die mit ihr und durch sie errungenen Erfolge dürfen aber nicht aufgrund wirtschaftlicher Probleme verspielt werden.