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Lebensraum Kläranlage

Kläranlagen als Lebensraum seltener Pflanzen und Tieren 

Nilgans auf Belüfterbrücke

Für den normalen Betrachter ist dies sicher zunächst verblüffend: In Kläranlagen wird nicht nur Abwasser gereinigt - zahlreiche Kläranlagen sind auch wertvolle Rückzugsgebiete für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Zudem gibt es vielfältige Möglichkeiten, den "Lebensraum Kläranlage" ökologisch aufzuwerten.


Zu diesem Ergebnis kam ein vom Regierungspräsidium Gießen initiiertes Gutachten des Biologen Priv.-Doz. Dr. Martin Kraft aus Marburg. Einheimischen Tier- und Pflanzenarten, wie auch Zugvögeln - darunter manch selten gewordene Spezies- bieten diese Anlagen offenbar gute Lebens- und Nahrungsbedingungen. Auf den acht untersuchten mittelhessischen Kläranlagen konnten allein 29 Libellenarten, darunter 11 Rote-Liste-Arten nachgewiesen werden.


Was macht Kläranlagen so attraktiv?
Kläranlagen befinden sich in den Auen und an natürlichen Gewässern. Nicht selten verfügen Kläranlagen über Abwasser- bzw. Schönungsteiche mit offenen Wasserflächen, Schilfbänken und Röhrichtzonen. Durch deren Nährstoffreichtum bieten sie Tieren reichlich Nahrung. In der Regel sind die Abwasseranlagen eingezäunt und mit einheimischen Gehölzen - oft mit Beerensträuchern- eingegrünt. Kläranlagen gewähren damit Ruhe und bieten Schutz vor Feinden.


Eine nicht alltägliche Allianz aus drei Kläranlagenbetreibern (Zweckverband Lollar -Staufenberg, Stadt Lauterbach und Knochen- und Fettunion Schwalmtal-Hopfgarten) und dem Regierungspräsidium Gießen, unterstützt von der Umweltallianz Hessen, hatte sich nun das Ziel gesetzt, diesen theoretischen Erkenntnissen konkrete Taten folgen zu lassen. Im letzten Jahr wurden deshalb für drei mittelhessische Kläranlagen beispielhafte Konzepte entwickelt und umgesetzt, die zu einer nachhaltigen Aufwertung der sogenannten Sekundärlebensräume führen. Auf diesen Kläranlagen wurden bisher unter anderen folgende Maßnahmen realisiert:

 

  • Schaffung eines Feuchtbiotopes mit flachen Uferzonen und tieferen Zentralbereichen
  • Vergrößerung und Umgestaltung eines für die Abwasserreinigung nicht mehr benötigten Schönungsteiches einer Kläranlage in ein attraktives Biotop
  • Anlage von Steinschüttungen an sonnen - exponierten Plätzen zur Förderung von Reptilien
  • Anbringen von Nistkästen für Vögel und Fledermäuse
  • Entwicklung von Sukzessionsflächen an ausgewählten Bereichen innerhalb und außerhalb der Kläranlagen
  • Ergänzende Gehölzpflanzungen mit heimischen, standortgerechten Arten.


Ein besonderes Anliegen des Projektes ist die ökologische Aufwertung der Rasenflächen. Das Blütenangebot für Insekten und Schmetterlinge hat sich in unserer Kulturlandschaft in den letzten Jahrzehnten massiv verschlechtert. Da auf vielen Kläranlagen größere pflegeaufwändige Rasenflächen vorhanden sind, sollte es ein vorrangiges Ziel sein, hier die Blütenvielfalt und den Blumenreichtum zu vergrößern. Nicht zuletzt ist eine blühende Wiese auch eine Augenweide für Mitarbeiter und Besucher der Kläranlage. In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Bieneninstitut in Kirchhain sollen entsprechende Handlungsvorschläge erarbeitet und Blumenwiesen auf Kläranlagen angelegt werden.
Das Projekt "Lebensraum Kläranlage" zeigt, dass Kläranlagen oftmals wertvolle Lebensräume für unsere Fauna und Flora sind. Es gibt viel ungenutzten Platz für Natur, für Pflanzen und für Tiere. Entsprechende Vorkehrungen beim Bau und Betrieb von Abwasseranlagen können somit ein weiteres Plus für den Sekundärlebensraum Kläranlage bedeuten. 

 

Die Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem Projekt stehen Ihnen ab sofort als Broschüre (Bezug über das Regierungspräsidium Gießen) oder als Download zur Verfügung.

 

Ansprechpartner beim Regierungspräsidium Gießen:
Frank Reißig

 

Tel: 0641/3034225
e-mail: frank.reissig@rpgi.hessen.de